095.

Alte Spin­nerei an der Lorze, Baar, 2019

Studi­en­auf­trag auf Einla­dung – 2. Rang

Bauherr­schaft: Patri­mo­nium Asset Manage­ment AG
Zusam­men­ar­beit mit: Albi Nuss­baumer Archi­tekten, Konrad Hürli­mann Archi­tekten, Zwahlen & Zwahlen Landschaftsarchitekten

Das ehemals indus­triell genutzte Spin­ne­rei­areal wird zu einem neuen Stadt­teil von Baar. Die Spuren einer bewegten, indus­tri­ellen Vergan­gen­heit sollen sichtbar, gestärkt und wahr­nehmbar gemacht werden. Vor allem in den letzten 50 Jahren fanden auf dem Areal grosse Verän­de­rungen statt. Der Städ­tebau orien­tiert sich gänz­lich am Hauptgebäude.

Dank typo­lo­gi­scher Diffe­ren­zie­rung wird spezifisch auf die umge­bende Bebauung und Land­schaft einge­gangen und ein reich­hal­tiges Frei­raum­ge­füge geschaffen. Das Spinn­erei­ge­bäude wird allseitig frei­ge­spielt und wahr­nehmbar gemacht. Als Hauptbau bestimmt die Spin­nerei die räum­liche Atmo­sphäre auf dem Areal und steht im Dialog zu den Neubauten. Durch deren Anord­nung bilden sich allseitig gross­zü­gige Zugangs­räume, von welchen aus die Mäch­tig­keit des Gebäudes sicht- und räum­lich spürbar gemacht wird. Diese Areal­zu­gänge sind über gassen­artig ausge­bil­dete Räume mitein­ander verbunden. Um den nörd­li­chen mit dem südli­chen Areal­teil zu verzahnen und räum­lich zu verbinden, wird das Erdge­schoss des Mittel­baus frei­ge­legt. Die zwei Trakte der Fabrik erhalten durch diese Mass­nahme eine Aufwer­tung der Zugänge zu ihren zentralen Vertikalerschliessungen.

Trotz unter­schied­li­chen Gebäu­de­ab­mes­sungen und Typo­lo­gien über­ragen die Neubauten – bis auf den Hotelbau im Westen – die Trauf­höhe der alten Fabrik nicht. Das markante Dach des Spinn­erei­ge­bäudes bleibt allseitig sichtbar. An der Lang­gasse befindet sich der Haupt­platz der Gesamt­an­lage. Dieser gross­zügig bemes­sene – mit einzelnen Bäumen bestückte Frei­raum – spielt die Fron­tal­sicht auf das Spinn­erei­ge­bäude frei. Gerahmt durch den Hallenbau und einem der beiden Wohn­bau­clus­ters tritt der Fabrikbau von der Lang­gasse her gross­zügig in Erschei­nung. Das ehema­lige Portier­haus steckt die nörd­liche Begren­zung des Platzes ab. Die aufge­reihte Stel­lung der drei nörd­li­chen Bauten erzeugt einen gassen­ar­tigen Raum, welcher an die ehema­ligen Produk­ti­ons­gassen auf dem Indus­trie­areal erin­nert. Hier wird die enorme Länge der Fabrik erfahrbar. Gegen Westen hin gelangt man zum Platz­raum vor dem acht­ge­schos­sigen Hotelbau. Die Stirn­fas­sade der Spin­nerei, der Hallenbau und das Hotel spannen einen gross­zü­gigen, leicht geneigten und wiederum mit einzelnen Bäumen bestückten Raum auf. Der Blick zur Kirche wird frei­ge­spielt. Im Nord­osten des Areals befinden sich die zwei durch einen Gassen­raum vonein­ander abge­setzten Wohn­bau­cluster. Ihre zeilen­ar­tige Anord­nung quer zur Fabrik ermög­licht Durch­sichten zur Lang­gasse und dem Grün­raum entlang des Entwäs­se­rungs­ka­nals. Im Süden der Fabrik bilden die Neubauten und das bestehende Trafo­ge­bäude – perlen­ket­ten­artig aufge­reiht – wiederum einen lang­ge­zo­genen Gassenraum.

Die Durch­brüche zwischen den Bauten vermit­teln zwischen Lorzenweg und Fabrik. Diese klein­tei­lige, relativ dichte Struktur erin­nert an die ehemals im Süden der Spin­nerei stehenden Hallen- und Produk­ti­ons­ge­bäude. Gegen Südosten hin dreht sich die Struktur der Gebäude um neunzig Grad ab. Die vier quer zur Strasse hin gesetzten Wohnungs­bauten bilden den Über­gang an die Zeilen­bauten der bestehenden Höll­häuser. Ein leichter Niveau­sprung führt vom Gassen­raum entlang der Wohnungs­bauten und dem zweiten Hallenbau hinauf zum vierten Zugangs­raum vor dem ehema­ligen Kessel­haus. Die Typo­lo­gien der Gebäude suchen Analo­gien zu Indus­trie­bauten. Ihre aufge­reihten, einfa­chen Dach­formen und Stel­lungen quer und parallel zum Spinn­erei­ge­bäude lassen das Areal trotz Umnut­zung nach wie vor als ehema­liges Indus­trie­areal in Erschei­nung treten.

<b>095.</b> Studienauftrag<br>Alte Spinnerei an der Lorze, Baar, 2019
<b>095.</b> Studienauftrag<br>Alte Spinnerei an der Lorze, Baar, 2019
<b>095.</b> Studienauftrag<br>Alte Spinnerei an der Lorze, Baar, 2019
<b>095.</b> Studienauftrag<br>Alte Spinnerei an der Lorze, Baar, 2019